Vlad Dracula und Edward Cullen im Vampire Café in Tokio

Wenn das Bram Stoker seelig wüssteAus abgründigen Vampiren wurden milchbubihafte Mamasöhnchen.  

Vor 100 Jahren zog sich Bram Stoker, Erfinder von Graf Dracula, verarmt und verkannt vom Diesseits zurück. Seither hat sich im Vampir-Genre einiges geändert. Nicht immer zum Besseren, wie die neusten Vampir-Geschichten zeigen. 

 

Von Bojan Peric (Tect) und Kushtrim Xhaferi (Illustration).
«Ich weiss, das klingt jetzt ein wenig seltsam, aber ich bin ein echter Vampir. Törnt dich das an? Du brauchst auch keine Angst haben.»

Der edel gekleidete, ältere Herr, der gerade an seinem Drink nippte, blickte die labernde, zwielichtige Gestalt zunächst interessiert aus dem Augenwinkel an, verschluckte sich dann, konnte nur mit Mühe ein Prusten zurückhalten und hustete schliesslich lange.

«Was?» fragte er röchelnd zwischen zwei Hustenanfällen.

«Ja, ich bin ein echter Vampir. Und du magst Vampire, nicht wahr? Sonst wärst du wohl kaum hier.»

Der ältere Gentleman seufzte laut und hustete dann noch ein paar Mal. Mit einem Taschentuch trocknete er einige Tränen und verfluchte sich, weil er in diese doch irgendwie kitschige Bar gegangen war, nur weil sie Vampire Café hiess. Was hätte er auch tun sollen? Alleine im Grossstadtgewusel von Tokio, einige Stunden totschlagen – wo geht man da schon hin? Keine Zeit, Reiseführer durchzublättern. Er hatte nur etwas trinken wollen. Und dann das.

«Du funkelst», sagte er dann.

«Ja. Schön, nicht wahr? Die Asiaten stehen darauf. Du solltest es erst sehen, wenn das Licht aus ist! Aber du brauchst wirklich keine Angst haben. Ich beisse nicht.»

Er kicherte selbstverliebt über seinen Schenkelklopfer.
«Ich mag ältere Männer. Wie heisst du, Schnuckelchen?»

«Vlad.»

«Ah, das ist so osteuropäisch. Das gefällt mir. Ich bin Edward.»

Vlad starrte grimmig mitten ins Nirgendwo und stellte sich vor, wie schön es wäre, Edwards Füsse an zwei Pferde zu binden und ihn mit deren Hilfe über einen schön geölten Pfahl zu stülpen. Wie in den guten alten Zeiten.
«Du weisst wirklich nicht, mit wem du es zu tun hast, Kleiner. Nicht wahr?»

«Nein Vlad. Sollte man dich kennen? Bist du so etwas wie… wie eine Berühmtheit?»

«Ja, Edward. Das bin ich. Mein Name liess jahrhundertelang das Blut der Menschen gefrieren. Ich war – nein, ich bin – der berühmteste Vampir, den es je gab. Ich bin eine Ausgeburt Satans, der Inbegriff des Bösen und Obskuren. Ich bin –»

Vlad wartete darauf, dass Edward seinen Satz vollendete, aber dieser stand nur mit halboffenem Mund da, schaute dümmlich drein und funkelte vor sich hin.
«Teufel! Ich bin Dracula!»

«Brakula? Sorry, kenn ich nicht.»

Vlad schmiss sein Glas an die Wand.
«Was trinkst du da überhaupt? Du… du Kerl?»

«Eierlikör. Willst du kosten?»

«Nein! Verdammt, nein! Schau dich an, du Fehlschlag der Evolution! Eierlikör! Und so billig und anbiedernd! Wo ist dein Stil? Wo ist deine Würde? Schau mich an! Heerscharen von Jungfrauen legte ich mir zu Füssen und machte aus ihnen Vampirbräute. Ich liess Schlösser errichten, feierte prunkvolle Bälle und lebte wie ein Fürst. Und du? Schmeisst dich wildfremden Männern an den Hals! Und du nennst dich einen Vampir? Schämen solltest du dich.»

«Igitt, Jungfrauen», gab Edward zurück, «die sagten mir nie zu. Ich mag erfahrene Männer. Kommst du nun zu mir oder nicht?»

Entrüstet wandte sich Vlad ab und machte eine abschätzige Handbewegung. Edward stand noch einige Sekunden da und funkelte ratlos. Dann drehte er sich um und ging an einen anderen Tisch.
«Ich weiss, das klingt jetzt ein wenig seltsam, aber ich bin ein echter Vampir. Törnt dich das an? Du brauchst auch keine Angst haben.»

© www.bar-storys.ch, 2012

 

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Vald Tepes, wie ihn heutige Illustratoren sehen.

 

Links

Dracula:http://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_III._Drăculea#Dracula

Bram Stoker: http://de.wikipedia.org/wiki/Bram_Stoker

Kurzgeschichten von Bram Stoker (in Englisch): http://www.bramstoker.org/stories.html

Zusammenfassung der Twilight-Saga mit dem Vampir Edward Cullen: http://www.the-twilight-saga.org/cullens/edward-cullen

Bilder zum Vampire Café Tokyo: http://bit.ly/vampirecafe_tokyo

 

 

 

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