Gress’ Lieblinge

Die Lieblingsdinge des Gilbert Gress

Beim Bargespräch mit Gilbert Gress erzählt der kultige Fussballexperte aus Strasbourg frank und frei aus seinem Leben. Hier halten wir kurz und knapp fest, welche Dinge Gress am liebsten mag. Von Politiker, autsch, bis Frau, wow.

 

Von Christian Nill (Lieblingsfragen) und Mischa Scherrer (Lieblingsbilder).

Wir befinden uns immer noch im Novotel Glattbrugg (siehe auch Haupttext Ein Drink an der Bar mit Gilbert Gress). Gress zeigt Ausdauer und ist sich nach einer Stunde nicht zu schade, auch noch die blödesten aller Fragen zu beantworten. Nämlich die Lieblingsdinge-Fragen.

 

Christian Nill: Herr Gress, machen wir ein kleines Spiel?

Gilbert Gress: Klar.

 

Nill: Antworten Sie bitte spontan, aus dem Bauch heraus. Welches ist ihre Lieblings Sportmarke?

Gress: Adidas.

 

Nill: Welche Frisur der folgenden Personen würden Sie für sich als zweite Lieblingsfrisur wählen…

Gress: …von Männern?

 

Nill: Beginnen wir mal mit den Männern und steigern uns dann vielleicht zu den Frauen.

Gress: Ok. (lacht)

 

Nill: Elvis Presley, Rudi Völler, Günter Netzer oder Lenny Kravitz?

Gress: Noch einmal, bitte. Presley…?

 

Nill: Das war der mit der Schmachttolle.

Gress: Ja, ja, ich weiss wer Presley ist! Den kenne ich.

 

Nill: Rudi Völler, der hatte einen klassischen Vokuhila. (siehe Links)

Gress: Was?

 

Nill: Vorne kurz, hinten lang. So eine Art fussballernder Wischmob.

Gress: (lacht)

 

Nill: Günter Netzer. Oder Lenny Kravitz. Das ist ein amerikanischer Rockstar…

Gress: Ja, ja, ich kenne ihn. Was hat er für Haare?

 

Nill: Kurzes, schwarzes, krauses Haar.

Gress: Ah ja. Nein, ich nehme Netzer. Dessen Frisur ist ähnlich. Aber meine ist noch ein wenig besser. Das muss man schon sagen.

 

 

Gress im Negligé

Nill: Sind Sie eitel?

Gress: Ich verstehe es schon, schön zu sein, nicht wahr? (lacht)

 

Nill: Es ist Ihnen also wichtig, dass Sie gut aussehen?

Gress: Klar. Ich muss respektvoll aussehen, wenn ich am Fernsehen bin, wegen der Zuschauer. Da kann ich ja nicht im Negligé daherkommen. Kann man das so sagen?

 

Nill: (lacht) Kann man schon, aber es würde wohl eine falsche Idee von Ihnen vermitteln. Man stelle sich Gilbert Gress im Negligé vor… Sie meinen, sie können nicht ungepflegt, unrasiert auftreten.

Gress: Genau. Der Anzug macht den Mann sagt man auf Französisch. Wie sagt man auf Deutsch?

 

Nill: Zum Beispiel Kleider machen Leute.

Gress: Genau, so ungefähr. Ich muss die Leute respektieren, die mich ansehen, ob im Fernsehen oder an einer Veranstaltung.

 

Nill: Gut, weiter mit den Lieblingsfragen. Ihr Lieblingsbier kennen wir ja schon.

Gress: Carlsberg.

 

Nill: Das gibt einen Extrabonus für Sie von diesem dänischen Weltbierbraukonzern. Ihre Lieblingshaarfarbe bei Frauen?

Gress: Blond. Meine Frau ist blond. Brigitte Bardot ebenfalls. Die habe ich einmal im Stadion getroffen, das 1972. Aber sie war umringt von Fotografen, ich habe sie fast nicht erkannt. Wenn eine hübsche Brünette kommen würde, nähme ich sie natürlich auch. (lacht)

 

Nill: Ihre Lieblingsfarbe?

Gress: Blau.

 

 

Politische Bekenntnisse

Nill: Ihre Lieblingspartei?

Gress: In Frankreich wähle ich immer rechts gegen links. Als Giscard (Valéry Giscard d’Estaing, franz. Staatspräsident von 1974 – 1981, Red.) vor Publikum auftrat, pfiffen ihn die Linken immer aus. Die Rechten machen das nicht. Als wir in Frankreich kürzlich einen neuen Präsidenten gewählt hatten, wählte ich zuerst Marine Le Pen um Mélenchon (Jean-Luc Mélenchon, Linksaussen-Politiker, Red.) zu verhindern. Ich wollte natürlich nicht, dass sie Präsidentin wird. Danach wählte ich Sarkozy. Meine Frau wird böse wenn sie das erfährt.

 

Nill: Welches ist Ihre Lieblingsmusik?

Gress: Volkslieder, Chansons, Edith Piaf, Michel Sardou, natürlich auch Charles Aznavour. Ich versteh kein Englisch und die französischen Sänger von heute versteht man nicht.

Kennen Sie Mon Vieux von Daniel Guichard? Das müssen sie sich anhören! (siehe Links)

 

Nill: Ihr Lieblingsfussballer?

Gress: Im Moment ist es Lionel Messi. Oder Andrès Iniesta. Das sind Spieler vom FC Barcelona, und die machen jede Drecksarbeit. Angreifen, dann Spurt zurück, die kämpfen um jeden Ball. Das sind normale Menschen, keine Spinner. Und sie haben Erfolg. Spielen Fussball wie ich ihn immer gerne gespielt habe.

 

Nill: Ihr Lieblingsbuch?

Gress: Ich hab nicht die Geduld zum Lesen. Ich lese wenig, aber meine Frau liest viel.

 

 

Die Sache mit der Grapefruit

Nill: Ihr Lieblingsessen?

Gress: Alles, ohne Sauce. Einfach und gesund. Das kann ein Fisch sein oder ein Stück Fleisch. Ohne Sauce.

 

Nill: Wieso?

Gress: Ich bin ein Süsser und mag sehr gerne Desserts. Wenn ich auch noch Sauce essen würde, hätte ich längst einen dicken Bauch. Da muss ich etwas opfern. Lieber die Sauce als das Dessert.

 

Nill: Ihre Lieblingsfrucht ist die Grapefruit, richtig?

Gress: Ja, Grapefruit.

 

Nill: Was hats damit auf sich? Ihre Spieler mussten offenbar vor jedem Match jeweils eine Grapefruit essen.

Gress: Ganz einfach. Wir spielten einmal gegen St. Etienne, die mehrmals Meister wurden. Das war damals die Mannschaft in Frankreich. Ich hatte dort ein, zwei Freunde, die spielten. Ich ging zu ihnen in die Garderobe – und da lag ein Zettel mit dem Tagesmenü: Grapefruit, Teigwaren und Apfelkompott. Da nehm’ ich also dieses Menü und denke, wenn die mit diesem Menü x-Mal Meister werden, dann werde ich damit mit meiner Mannschaft auch Meister. Also gabs Grapefruit und dann wurden wir Meister. Später dann auch in der Schweiz. Immer mit diesem Menü!

 

Nill: Wer ist ihr Lieblingsmoderator beim Schweizer Fernsehen?

Gress: Es ist Rainer Maria Salzgeber.

 

Nill: Welche Überraschung. Sie scheinen sich gut zu verstehen.

Gress: Ja, sonst könnte man in einer Fernsehsendung nicht so harmonieren und Witze machen.

 

Nill: Sie siezen sich konsequent. Haben Sie ihm bewusst nie das Du angeboten?

Gress: Er will mich auch gar nicht duzen. Ich bin kein Typ, der mit den Leuten per Du ist. Mit meinen Mannschaften, die ich trainierte, war ich immer per Sie.

 

Nill: Welches war Ihre persönliche Lieblingsepoche?

Gress: Wie ich so 17 Jahre alt war. Ende der 50ziger Jahre.

 

Der junge Monsieur Gress, um 1970. Bild: sport24.com

 

Erotisches Erwachen und Begegnung mit einer 15-Jährigen

Nill: Die Zeit der Halbstarken und jungen Wilden.

Gress: Ja, da hatte ich die ersten Freundinnen. Und und und.

 

Nill: Das erotische Erwachen?

Gress: Kann man so sagen. Die Phase, wo man als junger Mann begann, die Haare öfter waschen und überhaupt mehr auf Körperpflege achtete. Ausserdem begann ich damals in der Juniorennationalmannschaft.

 

Nill: Welches ist Ihre Lieblingsfrau?

Gress: (lacht) Sie sind lustig. Das ist natürlich meine Frau.

 

Nill: Wann haben Sie Ihre Frau kennengelernt?

Gress: Meine Frau war 15, ich war 18. Wir lernten uns in einem Schwimmbad kennen. Sie war mit einer Freundin dort, die war wie ich 18. Die kannte sich ein wenig aus mit Fussballern, da sie schon einige, wie soll ich sagen, Erfahrungen mit Fussballern gemacht hatte. Sie sagte dann zu meiner späteren Frau, du, der Gress ist da! Meine Frau hatte keine Ahnung, wer ich bin. Profi wurde ich erst ein paar Monate später. Und da kamen die beiden Frauen auf mich zu. Aber ich dachte, was will ich mit einer 15jährigen? Also interessierte ich mich mehr für die 18-jährige. Sie fragte mich, wann ich wieder ins Schwimmbad kommen würde. Ich sagte, morgen. Doch da musste sie arbeiten. Dafür schwänzte meine Frau dann wegen mir die Schule und kam ins Schwimmbad. Das war meine erste Begegnung mit ihr.

 

Nill: Lange her.

Gress: Ja. Inzwischen sind wir seit 1960 verheiratet.

© www.bar-storys.ch, 2012

 

Links:

 

Einige Oldschool-Bilder von Gilbert Gress: 

Gilbert Gress, Panini-Bild, Strasbourg 1978. Bild: Internet

 

Gilbert Gress, im Jahr 1980. Bild: Internet

 

Gilbert Gress bei Strasbourg, Panini-Bild, 1979. Bild: Internet

 

One Comment

  1. Niklaus Hänggi

    Gilbert Gress, un grand Monsieur!!! Schade, dass er in der Schweizer Fussballszene nicht so richtig wahrgenommen wurde. Allerdings gehört dem SF ein grosses Kompliment, denn sie haben ihn zum Co-Kommentator gemacht! Bravo, Monsieur Gress et merci pour Tout ce que vous avez fait pour le Football Suiusse!!

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