Filmquiz mit Anne Walser

Macho, Huttanz und andere Vorlieben einer Filmproduzentin

Die Erfolgsproduzentin Anne Walser weiss, wie ein guter Film funktioniert. Deshalb wollten wir wissen, welche Szenen ihr bei willkürlich ausgewählten Filmen geblieben sind. Dabei kam heraus, dass sie als Jugendliche mit Freundinnen den Striptease-Tanz aus 9 ½  Weeks geübt hat.

 

(Der neuste Film von Anne Walser, “Der Teufel von Mailand”, wird am 30. September 2012 auf Schweizer Fernsehen SF1 ausgestrahlt.)

 

Von Christian Nill (Quizfragen) und Mischa Scherrer (Fotos).

 

Nill: Frau Walser, die Regeln unseres Filmquiz’ sind einfach. Ich nenne einen Film und Sie sagen, woran Sie sich erinnern.

Walser: Und wenn ich den Film nicht kenne?

 

Nill: Dann gibt es einen Punkteabzug. Wir fangen bei 0 an. Also: Freitag der 13.

Walser: Da gab es ein ganz schlechtes Remake, das ich boykottiert habe. Das Original gehört zu meinen allerersten Filmen. Ich sah ihn mit etwa sechs Jahren, zusammen mit meinem Vater. Nach einer halben Stunde musste ich allerdings ins Bett, weil mich meine Mutter entdeckte und fand, dass das nicht gehe… (lacht)

 

Nill: Avatar.

Walser: Ich darf es gar nicht laut sagen, aber ich habe den Film nicht gesehen.

 

Nill: Haben Sie ihn auch boykottiert?

Walser: Nein. Ich arbeite meistens bis 23 Uhr.

 

Nill: Nicht schlecht.

Walser: Kinobesuche kommen oftmals eher zu kurz…. Wenn, schaue ich mir die Filme auf DVD an. Aber bei Avatar, den ich im Kino verpasste, dachte ich, es wäre doof, den auf DVD zu schauen. Weil dann ja der ganze 3D-Effekt wegfallen würde. Peinlich.

 

Nill: Nur wenn Sie folgenden Film nicht kennen: Höhenfeuer.

Walser: Das ist ein grossartiger Film. Er zeigt, was wir Schweizer auch können. Mir blieb vor allem, wie gut ein Film werden kann, der fast ohne Dialog auskommt. Es gibt viele Autoren, die immer sagen, das und das kann man dann im Dialog erklären. Wenn man so denkt, hat man praktisch schon verloren. Es muss auch ohne Dialog gehen.

 

Nill: Der letzte Weynfeldt.

Walser: Ein Superfilm! (lacht)

 

Nill: Den haben Sie ja auch selber produziert.

Walser: Genau. Mich hat der Stoff an einen meiner Lieblingsfilme erinnert: How to Steal a Million, mit Audrey Hepburn und Peter O’Tool. Eine charmante Gaunergeschichte, mit Stil erzählt. Adrian Weynfeldt ist natürlich eine tolle Filmfigur. Keine einfache, aber sehr interessant. Und Stefan Kurt, der den Weynfeldt gespielt hat, halte ich für einen der besten Schauspieler, die es gibt. Der kann es mit jedem aufnehmen, auch mit Jeremy Irons (mit dem Anne Walser den Film Nachtzug nach Lissabon produzieren wird; siehe auch Ein Drink an der Bar mit einer Filmproduzentin, Red.).

 

Nill: Die geplante Verfilmung über Paul Grüningers machen Sie mit Stefan Kurt als Grüninger nehme ich an.

Walser: Ja. So ist es geplant. Ganz inoffiziell.

 

Nill: Ich sage es trotzdem weiter. Nächster Film: 9 ½ Weeks.

Walser: Ich gebe es nur ungern zu, aber den habe ich gemeinsam mit meiner Freundin angeschaut als wir vielleicht zwölf oder 13 Jahre alt waren. Wir gaben uns grösste Mühe, diesen Tanz mit dem Hut nachzumachen…

 

Nill: Den Striptease.

Walser: Ja. Aber in Kleidern natürlich. Das mit dem Hut hat uns dennoch Eindruck gemacht. (lacht) Wir waren natürlich beide verliebt in Mickey Rourke, obwohl ich gar nicht mehr weiss, warum. In diesem Film ist er ja nicht gerade ein charmanter Zeitgenosse.

 

Nill: Weil Sie ein Faible für Bad Guys haben vielleicht. Haben Sie die Szene mit dem Hut später auch mal in Ihrem Privatleben ausprobiert?

Walser: Ich denke, das wäre total lächerlich. Da muss man etwas Eigenes finden.

 

Nill: Der Erfinder.

Walser: Der Erfinder? Hat der einen englischen Namen?

 

Nill: Nein, der heisst im Original so.

Walser: Wer spielt dort mit?

 

Nill: Bruno Ganz. Und ein ganz junger Matthias Gnädinger.

Walser: Den Film kenne ich nicht.

 

Nill: Hausaufgabe für Sie! Den nächsten kennen Sie bestimmt: Donnie Brasco.

Walser: Den kenne ich. Ich mag Thriller und Mafia-Filme. Überhaupt alles, bei dem man es kaum erwarten kann, wie es weitergeht. Donnie Brasco hatte tolle Drehorte. Und Johnny Depp finde ich natürlich sowieso gut. Oder war es Al Pacino?

 

Nill: Beide. Al Pacino ist der erfolglose Mafiamentor von Johnny Depp als Donnie Brasco, der ein Undercover-Agent ist.

Walser: Wenn ich es richtig im Kopf habe, spielt der Film in New York. Ich liebe halt New York (Anne Walsers Lebenspartner lebt in New York, sie pendelt regelmässig zwischen der Schweiz und NYC, Red.). Dort würde ich gerne einmal einen Film drehen.

 

Nill: Amores Perros.

Walser: Einer der besseren Filme, die es gibt. Ich finde, der Regisseur, Alejandor González Iñárritu, ist einer der besten Regisseure überhaupt. Amores Perros hat mich beim Zuschauen fertig gemacht! Neben Benicio del Toro würde ich ausserdem nur zu gerne einmal mit Gael García Bernal (einer der Hauptdarsteller, Red.) zusammenarbeiten.

 

Nill: Casino Royal.

Walser: Ich liebe Filmklassiker. Und ich stehe natürlich auf James Bond! Ich gebe es zu, seit ich Kind bin habe ich von Sean Connery geträumt… Diese Machofigur hatte irgendwie einfach Stil. Dass der Charakter des James Bond jetzt immer mehr gebrochen wird und plötzlich auch noch sensible Seiten hat, bräuchte es für mich nicht. Ich freue mich auf jeden James Bond. Die schaue ich mir dann immer im Kino an.

 

Nill: Wie gefällt Ihnen jetzt speziell Casino Royal mit Daniel Craig als James Bond?

Walser: Für mich gibt es eigentlich nur Sean Connery als Bond. Daniel Craig passt für mich weniger in diese Rolle. Aber trotzdem ­­– ich meine, jede Anfangssequenz ist grossartig!

 

Nill: Pretty Woman.

Walser: Das ist natürlich ein grandioser Film.

 

Nill: Natürlich.

Walser: Ich glaube, diesen Film kennt jeder Mensch auf diesem Planeten. Es ist eine so simple, seichte Geschichte, aber sie funktioniert. Auch deswegen, weil man die Figuren einfach gern hat. Mir ist vor allem die Szene in Erinnerung geblieben, in der Julia Roberts in den Shop zurückgeht, in dem man sie zuvor abgewiesen hat. Wie sie da Tough shit sagt oder so ähnlich – das vergesse ich nie.

 

Nill: Wie oft haben Sie ihn gesehen?

Walser: Drei, vier Mal.

 

Nill: Das ist ja noch überschaubar.

Walser: Ich bin nicht so der «romantic comedy»-Typ.

 

Nill: Breaking the Waves.

Walser: Ein ganz grossartiger Film! Einfach eine Hammergeschichte. Ich finde auch Emily Watson grossartig. Das ist einer der Filme, bei denen etwas mit jemandem passiert und sich daraufhin das ganze Leben verändert. Da gibts irrsinnig viele Momente, an die ich mich erinnere. Zum Beispiel, wo Emily Watsons Figur auf der Küstenstrasse geht und ihr die Leute vom Dorf nachlaufen und Steine nachwerfen. Heavy! Oder wie sie im Zimmer sitzt und ihrem Mann, der Liebe ihres Lebens, erzählt, wie sie mit einem anderen Mann im Bett war. Das sind extreme Momente, die einfach bleiben.

 

Nill: Zu guter Letzt noch ein Film, den Sie kennen: Der Teufel von Mailand. (Siehe auch das Bar-Gespräch Ein Drink an der Bar mit einer Filmproduzentin)

Walser: Da ist die Reise ja noch nicht fertig, die dauert noch einige Monate. Das Drehen ist das eine, dann kommt der Schnitt. Aber ich glaube, dass das Drehen die wichtigste Etappe. Bei dem, was ich bis jetzt gesehen habe, kann ich sagen, dass Martin Suter stolz sein wird auf den Film. Dieser Film wird sowohl der Romanvorlage gerecht, wie er auch als eigenständiger Film funktioniert. Ein Film muss immer etwas Eigenständiges sein.

© www.bar-storys.ch, Dezember 2011

 

Hier finden Sie das ausführliche Gespräch Ein Drink an der Bar mit einer Filmproduzentin.

 

One Comment

  1. Rafael Schneuwly

    Liebe Frau Walser

    Auf der Suche nach Informationen zum Film “Nur ein Schritt” über Paul Grüninger bin ich u. a. auf Ihren Namen gestossen, da Sie als Produzentin für den Film genannt werden.
    Als gebürtiger St. Galler und Gymnasiallehrer für Geschichte und Deutsch an der Kantonsschule in Stans (Nidwalden) ist für mich die Person von Paul Grüninger von grossem Interesse. Es versteht sich von selbst, dass ich ihn in meinem Geschichtsunterricht als Beispiel für ein vorbildliches Verhalten während des 2. Weltkriegs erwähne.
    Ich bin jetzt schon gespannt, wie der Film über hin herauskommen wird. In diesem Zusammenhang ist mir die Idee gekommen, ob man die Promotion des Films nicht mit der Stadt St. Gallen, genauer gesagt mit dem Fussballstadion “Paul Grüninger” in Verbindung bringen könnte. In diesem Stadion im Osten der Stadt spielt der SC Brühl (momentan in der 1. Liga Promotion). Wie sie bestimmt wissen, hat Paul Grüninger als Spieler und als Präsident in diesem Club gewirkt. Zudem ist das Stadion – Irrtum vorbehalten – der einzige Ort, wo der Name von Paul Grüninger genannt wird. Das Stadion ist vor einigen Jahren von der Stadt St. Gallen renoviert worden, befindet sich also in einem guten Zustand. Von mir aus gesehen also ein idealer Ort um den Film zu lancieren.
    Ich selber bin – etwa im Gegensatz zum Schriftsteller Pedro Lenz – nicht Mitglied des Clubs, verfüge aber über beste Beziehungen. Vorausgesetzt, die Daten stimmen. bin ich überzeugt, dass der Club z. B. sehr gerne bei einer Film-Vernissage mitmachen würde. Einzelheiten müsste man natürlich im Detail besprechen.
    Ich hoffe, dass ich Ihr Interesse geweckt habe und grüsse Sie freundlich. Rafael Schneuwly

    Telefonisch bin ich unter 041 610 95 06 (079 231 23 21) zu erreichen.

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